Heime für die schwererziehbare Jugend
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Kapitel 1 · Seite V

Weshalb der Schweiz. Verband für Schwererziehbare dieses Buch herausgibt.

Seit seiner Gründung im Jahre 1924 trachtet der Schweiz. Verband für Schwererziehbare darnach, die Öffentlichkeit zu gewinnen für vermehrte und vertiefte Hilfe gegenüber den schwererziehbaren Kindern und Jugendlichen. Die deutsche und welsche Sektion wirken in dieser Richtung durch Veranstaltung von Fortbildungskursen für Anstaltsleiter, Erzieher und Fürsorger (bis dahin u. a. ein- bis dreitägige Kurse in Zürich, Bern, Basel, St. Gallen, Genf, Neuenburg, Moudon, Freiburg und Chur), durch Pressebedienung, durch Unterstützung der Einrichtung von Bastelwerkstätten in Erziehungsanstalten, durch psychologische Begutachtung von Anstaltskindern, durch Beiträge an Erziehungsberatungsstellen, Veranstaltung von Ferienlagern und -kolonien für Heimkinder usf.

Eine Teilaufgabe des Verbandes ist die Förderung der Anstaltserziehung; eine wirklich gute Erziehungs- und Fürsorgearbeit hat immer noch zu den besten Vorsorgemaßnahmen gehört.

Die Herausgabe des vorliegenden, nach keinerlei wertenden Gesichtspunkten zusammengestellten Sammelwerkes soll nun ein weiterer Schritt sein, der breiten Öffentlichkeit ein anschauliches Bild von der Größe und Tragweite einer Arbeit auf dem Gebiete und im Interesse der Volkserziehung zu geben. Diese Anstaltsarbeit hat zu ihrem eigenen Schaden sich bisher nur allzu sehr im Verborgenen gehalten und darum zu wenig die Mitverantwortlichkeit des ganzen Volkes betont. Das Buch soll aber nicht nur bei weiten Kreisen Interesse für die Erziehung verlassener und schwieriger Kinder wecken, sondern es soll besonders allen, die Kinder in Heimen unterzubringen haben, ein Wegweiser sein. Eltern, Lehrer, Pfarrer, Ärzte, Fürsorger, Vereine und Behörden haben nun die Möglichkeit, sich rasch zu o r i e n t i e r e n. Vergl. zu diesem Zwecke besonders die Verzeichnisse der Anstalten auf Seiten 99—109, gegliedert nach Kantonen, Konfessionen, Geschlecht und Alter der Zöglinge.

Heime auf privatwirtschaftlicher Grundlage sind keine aufgeführt und von den Waisenanstalten finden sich nur diejenigen, die Mitglieder unseres Verbandes sind und uns das Material einsandten. Der Begriff «schwererziehbar» wird ja leider noch sehr oft einem Werturteil gleichgestellt. Es war dies mit ein Grund, weshalb wir auf Aufführung sämtlicher Waisen- und Erziehungsanstalten in diesem Werke verzichteten. Lückenlos finden sich nur die Heime für die schwererziehbare Jugend, deren Insassen sich in der Mehrheit zwischen 7 und 25 Jahren befinden. Immerhin sei in diesem Zusammenhang daran erinnert, daß Erziehung und Psychologie wertvollste Bereicherung und Vertiefung dem Umgang mit «Schwererziehbaren» verdanken. Die hingebendsten und vorbildlichsten Erzieher sahen im Dienste an diesen Sorgenkindern denn auch immer wieder eine ihr ganzes Sein erheischende Aufgabe.

Das Wissen vom Leben, von der Atmosphäre der einzelnen Heime einerseits und die bestmögliche Kenntnis der psychischen Eigenart der Kinder andererseits, kann durch das Buch freilich nicht ersetzt werden. Jeder Verantwortliche hat unter Berücksichtigung der beiden oben genannten Gesichtspunkte eine entsprechende Auswahl sowohl unter den Heimen, als den Schutzbedürftigen zu treffen. Es gab zu allen Zeiten Anstalten, wo das eine Kind das wirkliche «Heim» erlebte, wo aber gleichzeitig ein anders geartetes Kind sich kaum auch nur äußerlich einordnen konnte.

Das Buch ist zunächst nur eine Art Katalog bestehender Institutionen, ein geeignetes Nachschlagewerk. Für spätere Zeiten wird es ein willkommenes Vergleichsmaterial darbieten. Außerdem ist es ein Buch des Dankes für alle Gutgesinnten, die heute als Erzieher, Fürsorger, Mitarbeiter oder als freiwillige Spender von Geldmitteln für Anstalten tätig sind. Es ist auch ein Ehrenzeichen für diejenigen, die vor uns wirkten.

SCHWEIZ. VERBAND FÜR SCHWERERZIEHBARE:

Der Präsident: O. Baumgartner. Die Geschäftsstelle: M. Meyer.